NIEDER-WEISEL Ein Erfolg war für das „Deutsch-Französische Kulturform Butzbach“ das im Pfarrhof von Nieder-Weisel abgehaltene „Diner Blanc“ (linkes Foto). Die beiden Rezitatorinnen Gertrud Gilbert (1) und Suzanne Bonn mit Organisateurin Christiane Galle (rechtes Foto). Text + Foto: dö

Montag, 24. August 2009 Seite 21 "Erstmals Diner Blanc im Pfarrhof"

Tafeln und Plaudern ganz in Weiß.
Madame Galle: Experiment ist gelungen.


NIEDER-WEISEL (dö). Jetzt kennt auch Butzbach ein kulinarisches Ereignis der besonderen Art. Gestern dinierten etwa 60 weiß gekleidete Damen und Herren im idyllischen Nieder-Weiseler Pfarrhof zwichen Kirche, altem Rathaus und evangelischem Gemeindehaus in munterer Runde, hatten ihr Essen mitgebracht und ließen es sich bei Brot, Käse, Wurst, Obst, Mineralwasser, Champagner und Rose bei passender Musik und temperamentvollen Rezita-tionen an langen Tischen und im Schatten mächtiger Bäume gut gehen.


Wie in Paris am Ufer der Seine, im Bois de Boulogne oder auf dem Place de la Concorde dinierten Freunde und Freundesfreunde unter freiem Sommerhimmel in der wohl schönsten Ecke des Stadtteils. Eingeladen zu dem "Diner Blanc" hatte das Deutsch-französische Kulturforum. "Voila, das Experiment ist uns gelungen", strahlte Christiane Galle, die Leiterin des Kulturforums kurz nach 13.00 Uhr, als sich die weißen Tische im Pfarrhof mit den Gästen füllten.
Viele der aus Butzbach, Gießen oder Wetzlar kommenden Damen trugen angesichts der kräftig strahlenden Sonne mit chicen weißen Hüte. Auch die Herren hatten sich im einheitlichen Weiß in Schale geworfen. Auch Kinder und Jugendliche nachten mit. Pieknickkörbe und Taschen wurden geöffnet und schmackhafte Dinge ausgebreitet. Viele Fotoapparate wurden gezückt und das noch nie in Butzbach erlebte Ambiente im Bild festgehalten.
Alsbald wurde sich munter unterhalten und gespeist. Zu einem schönen Essen gehören auch schöne Klänge. Madame Galle hatte deshalb die passende Musik ausgewählt. Aus Bad Soden/Ts. kam Akkordeonspieler Friedrich Baier angereist, auch er ganz in Weiß, um auf seinem weich gestimmten edlen italienischen Tasteninstrument französische Klänge zu zaubern, bekannte Musette-Titel und Chansons aus dem westlichen Nachbarland. Für weiteren Hörgenuss sorgten zwei bekannte Rezita- torinnen, Gertrud Gilbert aus Bad Nauheim und die im Stadtteil Griedel lebende Suzanne Bohn.

Beide hatten sich volkstümliche Literatur aus ihren Heimatländern ausgewählt. Gertrud Gilbert trug im anheimelnden Frankfurter Dialekt "Die geteilte Walküre" von Karl Ettlinger vor.

Ettlinger (er nannte sich selbst der "alde Frankforder" mit der "Gewitterschnut") war ein produk- tiver Volksdichter, der unter dem Pseudonym "Karlchen" allerlei Satiren schrieb, aber das Pech hatte, als jüdischer Autor von den Nazis verfemt zu werden. Mit großem schauspielerischen Talent und zur Belustigung des Publikums trug Gertrud Gilbert die Erlebnisse eines Frankfurter Bäckermeisters vor, der mit Frau und Tochter im feinenen Münchner Residenztheater eine Oper von Richard Wagner sehen wollte, aber nur im Besitz einer einzigen Karte war. Also konnte jeder der drei nur einen Akt live miterleben und musste das Gesehene den beiden anderen möglichst werkgetreu "verklickern". Dass dabei so manches aus dem Inhalt vergessen oder falsch verstanden wurde, bei den anderen nur Verwirrung stiftete, versteht sich von selbst.
Gertrud Gilbert schöpfte ihre humoristische Begabung voll aus, und das zur Heiterkeit aufgelegte Publikum hatte ordentlich etwas zum Lachen. Sehr unterhaltsam war auch Suzanne Bohn mit dem ersten Kapitel von Sascha Guitrys "Memoiren eines Falschspielers". Es ging dabei um eine mysteriöse Pilzvergiftung. Sehr unterhaltsam war Suzanne Bohn auch mit Passagen der französischen Komödiantin Pauline Carton (1884-1974), die in Frankreich sehr populär war, ähnlich wie in Hessen vielleicht die Volksschauspielerinnen Liesel Christ und Lia Wöhr. Pauline Carton aus Biarritz, die für ihren schlagfertigen, bodenständigen Humor bekannt ist, wirkte in vielen Filmen mit (u.a. "Der längste Tag"), war aber irgendwie festgelegt auf die Role eines komischen Haus-Faktotums. An ihren aus dem Leben gegriffenen Texten delektierte sich das Publikum.

Das erste "Diner Blanc" im heimischen Raum kam sehr gut an. Christiane Galle bedankte sich bei Mitwirkenden und Publikum und lud im Anschluss noch zu gemütlichem Verweilen ein. Die Atelier-Galevon Holde Stubenrauch aus Espa hatte eine kleine Bilderausstellung im evangelischen Gemeindehaus vorbeireitet.
Über eine Tatsache war Christiane Galle besonders stolz: "Wir sind den Frankzuvorgekommen". Denn dem Vernehmen nach soll es am nächsten Wochenende auf der Berger Straße das erste "Diner Blanc" der Mainmetropole geben. Butzbach war diesmal schneller.

Von Madame Galle war auch zu erfahren, wie mit dem "Diner Blanc" in Paris alles begann: Im Jahr 1988 verlegte ein gewisser Francois Pasquier seine private Gartenparty aus Platzmangel spontan in den Bois de Boulogne. Seitdem verabredet man sich in der "Stadt der Liebe" jeden Juni zum gemeinsamen Abendessen an einem öffentlichen Ort in Paris. Bis zum letzten Tag wird dort die Location geheim gehalten. Einziges Erkennungszeichen ist die weiße Kleidung. Mit ihren Esskörben bepackt strömen dann hunderte von Franzosen in den frühen Abendstunden zum vereinbarten Treffpunkt. Mitgebrachte Tische und Stühle werden zu langen Reihen zusammengestellt. Sie verwandeln die Straßen von Paris in ein riesiges nicht-kommerzielles familiäres und friedliches "Open-Air-Gelage".

 

Hoffnungsvoller Anfang für das deutsch-französische Kulturforum Butzbach: das im Pfarrhof von Nieder-Weisel organisierte "Diner Blanc".

Donnerstag, 27. August 2009 "Diner Blanc» im idyllischen Pfarrhof"

Frankfurtern eine Attraktion »weggeschnappt«
Kulinarisch-literarisches Ereignis

Butzbach (bd). Jetzt verfügt auch Butzbach über ein kulinarisches Ereignis der besonderen Art. Am Sonntag trafen sich etwa 60 weiß gekleidete Damen und Herren im idyllischen Nieder-Weiseler Pfarrhof zwischen Kirche, altem Rathaus und evangelischem Gemeindehaus in munterer RunWie in Paris am Ufer der Seine, im Bois de Boulogne oder auf dem Place de la Concorde dinierFreunde und Freundesfreunde unter freiem Sommerhimmel in einer der schönsten Ecken des Stadtteils. Eingeladen zum »Diner Blanc« hatte das deutsch-französische Kulturforum.

„Voilà, das Experiment ist gelungen“, strahlte Christiane Galle, Leiterin des Kulturforums, als sich die weißen Tische im Pfarrhof füllten - mit Gästen im weißen Dress. Viele der aus Butzbach, Gießen oder Wetzlar angereisten Damen hatten sich angesichts der kräftig strahlenden Sonne mit schicken weißen Hüten drapiert. Auch die Herren hatten sich im einheitlichen Weiß in Schale
geworfen. Picknickkörbe und Taschen wurden geöffnet und schmackhafte Dinge ausge-breitet. Viele Fotoapparate wurden gezückt und das noch nie in Butzbach erlebte Ambiente im Bild festgehalten. Die Gaumenfreuden zwischen edel und rustikal wechselten. Zu einem schönen Essen gehören auch schöne Klänge. Madame Galle hatte vorgeund die passende Musik ausgewählt.

Aus Bad Soden kam Akkordeonspieler Friedrich Baiangereist, auch er ganz in Weiß, um auf seinem weich gestimmten, edlen italienischen Tasteninstru-ment französische Klänge zu zaubern, bekannte Musette-Titel und, Chansons aus dem westlichen Nachbarland.

Für weiteren eleganten Hörgenuss sorgten zwei bekannte Rezitatorinnen, Gertrud Gilbert aus Bad Nauheim und Suzanne Bohn aus Griedel. Gertrud Gilbert trug in anheimelndem Frankfurter Dialekt »Die geteilte Walküre« von Karl Ettlinger vor. Ettlinger (er nannte sich selbst der „alde Frankforder“ mit der „Gewitterschnut“) war ein unerhört produktiver Volksdichter der unter dem Pseudonym „Karlchen“. allerlei Satiren schrieb, aber das Pech hatte, als jüdischer Autor von den Nazis verfemt zu werden. Mit großem schauspielerischem Talent und zur Belustigung des Publikums trug Gertrud Gilbert die Erlebnisse eines Frankfurter Bäckermeisters vor, der mit Frau und Tochter im feinen Münchner Residenztheater eine Oper von Richard Wagner sehen wollte, aber nur im Besitz einer einzigen Karte war. Also konnte jeder der drei nur einen Akt live miterleben und musste das Geschehen den beiden anderen möglichst werkgetreu "verklickern". Dass dabei so manches aus dem Inhalt vergessen oder falsch verstanden wurde und bei den anderen nur Verwirrung stiftete, versteht sich von selbst.

Sehr unterhaltsam war auch Suzanne Bohn mit dem ersten Kapitel von Sascha Guitrys "Memoiren eines Falschspielers". Es ging dabei um eine mysteriöse Pilzvergiftung. Der Vortrag war kurz, aber lustig, und mancher von den Zuhörern wird ab und zu auf seinen Tisch geblickt haben, um sich schnell von der Genießbarkeit der mitgebrachten Pilze zu überzeugen. Amüsant auch die Passagen der französischen Komödiantin Pauline Cartoon (1884 bis 1974), die in Frankreich unerhört populär war. Die Frau aus Biarritz war für ihren bodenständigen Humor bekannt. Sie wirkte in vielen Filmen mit, war allerdings festgelegt auf die Rolle eines komischen Haus-Faktotums. An ihren Texten delektierte sich das Publikum aufs Beste. Das erste "Diner Blanc" im heimischen Raum kam toll an. Christiane Galle bedankte sich bei den Mitwirkenden und dem Publikum.

Holde Stubonrauch (Atelier-Galerie Stubenrauch, Espa) hatte eine Bilderausstellung im ev. Gemeindehaus vorbereitet, die gerne besucht wurde. Über eine Tatsache war Christiane Galle besonders stolz: "Wir sind den Frankfurtern zuvorgekommen." Offensichtlich soll ein solches "Diner Blanc" demnächst erstmals auf der Berger Straße stattfinden.

 

Artikel vom 24.11.2008 - 20.04 Uhr

Unvergessliche Liebeserklärung an Frankreich
Butzbach (bd). Einen unvergesslichen Abend bereiteten die beiden französischen Künstler Francis Muller und Nicolas Arnoult einem begeisterten Publikum in der Wendelinskapelle.

Denn der virtuose Sänger Muller und der ihm in nichts nachstehende Arnoult an Akkordeon und Piano stellten in einer mitreißenden achtzigminütigen Hommage zwei Künstler vor, die Frankreichs Seele personifizieren: Edith Piaf und Jacques Brel.
Zu danken ist der Abend voll musikalischer Anmut, Eleganz, Intimität und Poesie dem in Nieder-Weisel ansässigen "Deutsch-Französischen Kulturforum Butzbach", dessen Leiterin Christiane Galle ebenso anwesend war wie in Griedel wohnende Kulturjournalistin Suzanne Bohn. Sie übernahm die Ansage der beiden Künstler, die sich in der Wendelinskapelle sichtlich wohl fühlten.

Unter den Chansonniers und Chansonnetten Frankreichs ist Edith Piaf die größte. Sie war nur 1,47 Meter groß. Die Tochter eines Akrobaten und einer Kaffeehaussängerin, früh von den Eltern verlassen und von Schicksalsschlägen gebeutelt, hat unvergessliche Chansons hinterlassen. Zum Beispiel "Sous le ciel de Paris", ihre Liebeserklärung an die französische Hauptstadt, mit der das Konzert eröffnet wurde.

"Je ne sais pas" von Jacques Brel folgte. Brel, wiewohl unweit von Brüssel geboren, stand für das französische Chanson wie kaum ein anderer.

Francis Muller, selbst Chansontexter und Komponist, widmete sich mit großem Ausdrucksvermögen den beiden Vorbildern und ließ sich von Nioclas Arnoult kongenial an beiden Instrumenten begleiten. Zu hören gab es Unvergängliches wie "La vie en rose" und natürlich "Non, je ne regrette rien" von Edith Piaf, und von Jacques Brel "Au printemps" oder das unvergleichliche "Amsterdam".

Das Publikum war entzückt, viele wiegten ihre Köpfe, ließen sich von den Klängen gefangen nehmen und lauschten den Liedern, die um die Liebe und die Nöte eines Menschenlebens kreisten, kluge Bestandsaufnahmen der ganzen menschlichen Gefühlspalette waren. Eine Zugabe war unumgänglich..

Zum Schluss schritten Nicolas Arnoult mit dem Akkordeon und der ins Mikrofon singende Francis Muller durch das Kirchenschiff und verneigten sich zum Abschied tief vor den Zuhörern.

 

Double Hommage für Edith Piaf und Jacques Brel
Francis Muller und Nicolas Arnoult in Butzbach
REGION (ua). Am Klavier und am Akkordeon wird Francis Muller von Nicolas Arnoult begleitet, einem jungen Musikpädagogen und Pianisten aus Nancy, der im Jazzfach zuhause ist. Francis Muller ist ein erstklassiger Chansonautor, Komponist und Interpret der jungen Generation. Seine Leidenschaft gehört Piaf, Brel und Barbara. Mit großer Sensibilität, mit unvergleichlicher Ästhetik und Poesie interpretiert er deren Werke und trägt somit zur Pflege ihres Erbes in Frankreich und im Ausland bei. Wiederholte Gastspiele in Nürnberg, Wiesbaden, Hochheim, Oberursel und ganz besonders im Frankfurter Internationalen Theater, wo er immer wieder für volles Haus und ausverkaufte Chansons- Abende sorgte, bescherten dem Künstler einen hohen Bekanntheits- und Beliebtheitsgrad. Zu erleben am Samstag, dem 22. November, um 20 Uhr, in der Wendelinskapelle Weiselerstr. 45 (direkt am Butzbacher Bahnhof). Aufgrund der limitierten Kapazität des Raums wird empfohlen, unbedingt bis spätestens 14. November zu reservieren.

Veranstalterin:
Madame Christiane Galle, Leiterin des Deutsch Französischen Kulturforum,

Telefon: 06033/ 922608.

Auskünfte und Reservierungen können auch per Mail an Frau Galle gerichtet werden: crichri@gmx.de
22. November 2008 wird der französische Chansons- Autor, -Komponist und -Interpret Francis Müller eine "Double Hommage an Piaf und Brel" zum 45. Todestag des unvergessenen Spatzes von Paris und zum 25. Todestag von Jacques Brel. Francis Muller wird am Klavier und am Akkordeon von Arnoult begleitet. Der Chansons-Abend findet in der Wendelinskapelle, Weiselerstr. 45, direkt am Bahnhof von Butzbach um 20. Uhr statt. Die Wendelinskapelle, 1440 erbaut, ist die älteste Fachwerkkapelle Hessens. Sie bietet dem Hommage- Konzert genau den mystischen intimen Charakter, den es braucht. Eintritt: 22€.



17. November 2008: Großer Chansons-Abend zum 10. Todestag der Chansons- Autorin, - Komponistin und -Sängerin Barbara. Es sang Annick Cisaruk, die gefeierte Interpretin, welche die Kritiker in Frankreich "Cisaruk die Große" nennen. Die singende Schauspielerin, damals in Paris in dem mehrfach prämierten Musiktheaterstück"Camille C." über das tragische Leben der Bildhauerin Camille Claudel zu sehen, wurde am Akkordeon von dem begnadeten David Venitucci begleitet. Das Konzert wurde überschwänglich in der Presse gelobt



4. Mai 2008 lud das Forum zu seinem ersten Literaturcafe im Evangelischen Gemeindezentrum von Niederweisel ein. Die Matinée in lockerer geselliger Runde wurde von Suzanne Bohn gestaltet. Das neue Cafe littéraire versteht sich als reizvoller Wegweiser durch die französische Literatur von heute und gestern. Es werden Passagen in der Originalversion vorgetragen, bei Bedarf übersetzt und anschließend kommentiert. Vorgestellt wurden bei dieser Premiere ein Werk von Simone de Beauvoir ("Ein sanfter Tod"), "La place" von Annie Ernaux, "Le secret" von Philippe Grimbert und "La biograph" von Evelyn Bloch-Dano.

Am 2. September 2007 lud Christiane Galle zu einer originellen Literatur-Champagnerfrühstücks-Matinée ein, um "la rentrée" zu feiern, einen sozio-kulturellen Begriff, mit dem in Frankreich die Rückkehr nach den langen Sommerferien in die Normalität und die Ordnung des Alltags umschrieben wird. Thema des schönen Frühstücks in gelungenem ländlichem Ambiente im Hof der Veranstalterin war eine Lesung aus Sacha Guitrys Memoiren: "Si j'ai bonne mémoire", zum 50. Todestag des Theater- und Kino-Schauspielers, -Regisseurs und -Autors, der in den letzten Jahren eine Renaissance erfährt.

Presse 19.August 2013