RENCONTRE AVEC ANDRE GIDE

"Es erfordert mehr Mut, seine Ansichten zu ändern als an ihnen festzuhalten"
(Friedrich Hebel)

Vor 60 Jahren, am 19. Februar 1951, starb der Schriftsteller André Gide im Alter von 81 Jahren. Er hatte sich zur Mission gemacht, sich neu zu erziehen, sich neu zu erfinden, die ihm oktroyierten Ansichten seiner großbürgerlichen Schicht und seiner protestantischer Erziehung von Grund auf zu ändern: „Il n´existe presque rien sur quoi je n´ai pas changé d´opinion“: Eine Sisyphos-Arbeit! Seine Wahrheitsliebe, seine „Religion des Lebens“ führten den homosexuellen Schriftsteller dazu, sich selbst in den 20er Jahren zu outen in Büchern wie „Corydon“, „porte étroite“, “le grain ne meurt“, auch weil er an seine bahnbrechende Rolle als émancipateur der Gesellschaft glaubte.

Dieses Outen hatte anti- Gide- Kreuzzüge von Seiten des katholischen und des konservativen Lagers zur Konsequenz. Doch seine zahlreichen Gegner und Feinde konnten nicht verhindern, dass er ab den 20er Jahren des 20. Jahrhunderts zum Kultautor und geistigen Führer der Jugend in Frankreich, aber auch im Ausland -besonders in Deutschland- aufstieg.

Der Einfluss von „L´immoraliste“ auf eine ganze Generation junger Leute war immens. Seinen Wiedersachern rief er: „Ne jugez pas!“.

Auch befremdende Stellungnahmen wie das Schwärmen des germanophilen Außenseiters für die deutsche Kultur und Literatur, zu einem Zeitpunkt, da in Frankreich zu Beginn des 20. Jahrhunderts ein aggressiver Nationalismus und Revanchismus sich unter den Literaten breit machten, trugen nicht zu seiner Beliebtheit bei.

Gides bildende, führende Rolle als literarischer Leiter der Ton angebenden Nouvelle Revue Française (NRF) ist sowohl in Frankreich als auch im Ausland enorm gewesen. Er selbst vereint in seinem einmaligen, eleganten Schreibstil die französischen Grundprinzipien der Ästhetik: Musikalität, brillant gepaart mit psychologischer Tiefe. 1947 wurde ihm der Nobelpreis der Literatur verliehen für eben diesen unvergleichlichen Stil, aber auch für seinen Mut, sich zu seiner anders gearteten Natur zu bekennen.

Suzanne Bohn entführt in eine fesselnde Vita voller Krisen und Kampf um einen Platz in der Gesellschaft, welche am Ende ihre Früchte trugen. „Die Früchte der Erde“ (Les nourritures terrestres)
Das Deutsch-Französische Kulturforum lädt anlässlich des Erntedankfestes zu einem littéraire ein, bei dem kulinarischer Genuss auf literarischen Genuss trifft und verspricht eine Fülle von nährenden Eindrücken für Gaumen und Geist.



"Glaube denen, die die Wahrheit suchen, und zweifle an denen,
die sie gefunden haben."

André Gide